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Hat der Bergbau noch Zukunft?

Was macht man wenn man Bergbau studiert?

sind die beiden häufigsten Fragen die  mir zu meinem Studium gestellt werden. Das Vorurteil, welches hinter der ersten Frage steht, ist leider weit verbreitet. Die Ursache dafür ist das schlechte Image des Bergbaus in Zusammenhang mit den Steinkohlesubventionen.

Die Realität bescheinigt uns aber genau das Gegenteil: Beste Studienbedingungen und ein ganz weites Feld für den Berufseinstieg. Kein Bergbauabsolvent ist heute noch auf einen Arbeitsplatz in dem hoch subventionierten deutschen Steinkohlenbergbau angewiesen. Die Einstiegschancen reichen von großen internationalen Bergbaukonzernen und Bergbauzulieferern über Behörden und Ingenieurbüros bis zu Banken und Unternehmensberatungen. 

Auf dieser Seite möchte ich nun versuchen, die oben aufgeworfenen Fragen fundiert zu beantworten. Dazu habe ich hier viele Beispiele, als auch Verweise auf andere Quellen angefügt.

Wie ich zum Bergbau kam

Vielleicht erst mal ein wenig zu mir: Ich bin seit 1998 Student an der RWTH Aachen, und habe zuvor mein Abitur am Technischen Gymnasium in Osnabrück gemacht. Als bei mir damals die Entscheidung anstand, was ich studieren möchte, habe ich mich ganz von meinen Interessen leiten lassen und nicht von irgendwelchen Strömungen. Eine Zeit lang wollte ich mal Astronaut werden, dann hatte ich mal eine Phase in der ich Autos bauen wollte. Als es dann soweit war, habe ich mir eine Broschüre der Technischen Hochschule Aachen zukommen lassen, in der ich beim Bergbau hängen geblieben bin. (Diese war alphabetisch sortiert und Bergbau stand dort ziemlich am Anfang). Die Beschreibung hat mich sehr fasziniert, so dass ich begonnen habe mich etwas umzuhören.

Beim Arbeitsamt in Osnabrück hatte ich dann wie viele andere Schüler meines Abi-Jahrgangs einen Termin bei der Berufsberatung des Arbeitsamts. Nachdem man mir zu meiner Idee Bergbau zu studieren nur alle Risiken aufgezeigt hatte, das soweit ging "Ich möchte sie hier nicht in 5 Jahren auf der Bank sitzen sehen" habe ich mich lieber an die Wirtschaftsvereinigung Bergbau gewandt. Dort habe ich umfangreiches Informationsmaterial erhalten, was neben vielen Presseberichten auch Beschreibungen über die Inhalte des Bergbaustudiums enthielt. Besonders überzeugt war ich von der Praxisbezogenheit des Studiums, der fachlichen Breite und den damit verbundenen Vielzahl an Möglichkeiten zum Berufseinstieg.

Eckdaten zum Bergbaustudium

Das Vordiplom enthält 14 verschiedene Fächer, die als Grundlage für die Bergbau spezifischen Fächer im Hauptdiplom nötig sind. Dazu zählen sowohl Mineralogie, Geologie,  Mathematik, Mechanik, Physik, Chemie als auch  Betriebswirtschaft und Bürgerliches Recht. Zugegeben hatte ich, wie viele meiner Kommilitonen, besonders in Mathe Schwierigkeiten, doch bietet die Hochschule in Aachen extra deshalb einen Mathe Vorkurs an, der alle auf ein einheitliches Niveau hebt. Außerdem müssen wir nicht soviel Mathe machen wie die Studierenden in Maschinenbau und Elektrotechnik.

Im Hauptdiplom wird es dann viel fachspezifischer und meiner Meinung auch interessanter. Man beschäftigt sich dann mit der Bewertung von Lagerstätten, den Verfahren zur Gewinnung von Rohstoffen sowie den dazu benötigten Maschinen und Einrichtungen und vielen anderen interessanten Fächern.

6 Monate gut bezahltes Praktikum

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Studiums ist die praktische Ausbildung in Rahmen von Praktika. Dort sammelt man Erfahrungen die für einen Bergingenieur unerlässlich sind, denn gerade im Bergbau läuft vieles anders als man es plant, da ein Bergwerk nicht wie eine Fabrik läuft, sondern die Natur immer wieder für Überraschungen sorgt. Viele Studenten machen auch freiwillig mehr Praktikum, da es nicht nur einen guten Einblick in die Industrie gewährt, sondern auch mit etwa 1000 € pro Monat gut vergütet wird. 

Ziel ist es, möglichst viele verschiedene Bergbaubetriebe zu sehen. Ich selber habe im Braunkohlen- und Steinkohlenbergbau, Steinsalzbergbau, Ölschiefertagebau, Kalksteinbruch, Zementwerk als auch in der norwegischen Ölindustrie ein Praktikum gemacht. In Zukunft plane ich auch noch ein Praktikum im chilenischen Kupferbergbau, um ein wenig spanisch zu lernen.

Optional kann man statt dem 6 monatigen Praktikum unter Aufsicht der Hochschule, ein 9 monatiges Praktikum unter Aufsicht des Bergamts machen, um so später Beamter im Staatsdienst zu werden.

Wir sind zu fünft in meinem Semester

Das Bergbaustudium zeichnet sich auch durch eine gute Betreuung aus. Pro Semester studieren etwa 5-10 Stundendenten und Studentinnen. Seit etwa 10 Jahren ist es auch für Frauen rechtlich möglich Bergbau zu studieren, diese Möglichkeit wird auch immer mehr genutzt. So beträgt die Quote etwa 20%. Auf diese geringe Anzahl an Studierenden kommen in der Fachgruppe Bergbau, zu der auch andere Studiengänge zählen 9 Professoren mit insgesamt über 300 Mitarbeitern in den Instituten. Damit ist gewährleistet dass man eigentlich immer jemanden Fragen kann. Begrenzte Sprechzeiten, anonymes Studieren und völlig überfüllte Hörsäle gibt es im Bergbaustudium einfach nicht.

Das Highlight: 8 Monate in 4 verschiedenen Ländern Europas studieren

Das absolute Highlight in unserem Studium ist das europäischen Bergbau Studienprogramm "European Mining Course" im 7ten Semester. Ich habe im letzten Jahr an diesem Programm teilgenommen. Im Rahmen dieses Programms studieren etwa jeweils 5 Studenten von den beteiligten Universitäten RWTH Aachen, Helsinki University (Finnland), Imperial College - Royal School of Mines London und der TU Delft (Niederlande) zusammen jeweils 2 Monate an jeder der beteiligten Universitäten. Dazu kommen noch Studenten anderer Hochschulen. In meinem Kurs waren noch Studenten aus Freiberg, Griechenland, Polen, Kanada, USA und Surinam. Einen Erfahrungsbericht findet Ihr bei e-fellows oder HIER als PDF.

Alle Universitäten lehren auf Ihren Spezialgebieten, und bieten jeweils eine volle Woche Industrieexkursion an. In diesem Rahmen haben wir z.B. in Finnland ein Kupferbergwerk besucht in dem in 1400m Teufe mit dem Handy überallhin telefonieren kann. In England haben wir verschiedene Projekte für ein Salzbergwerk bearbeitet, welches unter der Nordsee Kalisalz abbaut, um es dann zu Düngemittel zu verarbeiten. Viele Photos zu diesen und anderen Exkursionen findet Ihr auf unserer inoffiziellen EMC Webseite.

Für dieses Programm fallen keine Studiengebühren an, auch Zusatzausgaben wie teurere Unterkunft in London etc. wird von den beteiligten Industrieunternehmen stark bezuschusst. Zu den Sponsoren, der "Federation of European Engineering Programms"  gehören 25 weltweit aktiven Unternehmen. Dazu gehören Bergbauunternehmen, Maschinenhersteller, Banken, Unternehmensberatungen.

Exkursionen & Praxis

Zusätzlich zu den Vorlesungen und Übungen werden auch viele Tagesexkursionen angeboten. Beispielsweise bin ich im Rahmen der Vorlesung "Sprengtechnik" in einen Steinbruch gefahren in der gerade eine Großsprengung vorbereitet wurde. Dort hat hat uns der Betriebsleiter und der Sprengstoffingenieur des Sprengstoffherstellers begleitet, und für uns kleine Sprengversuche durchgeführt.

Daneben finden regelmäßig große Exkursionen von den Instituten statt, an denen auch Studierende im Hauptdiplom teilnehmen können. In den letzten 2 Jahren fuhren die Institute nach Kanada, in den Iran und nach Österreich. Die Exkursionen dienen dazu, einen praktischen Einblick in den Bergbau zu bekommen, wie Planungen umgesetzt werden und welche Probleme entstehen. 

Berufschancen gibt es daheim als auch international

Für derart breit ausgebildete Ingenieure sind die Berufsfelder vielseitig und die Berufsaussichten überdurchschnittlich gut. In Deutschland findet man nach wie vor eine gesunde Bergbauwirtschaft, zu der der Kali und Steinsalzbergbau, Braunkohlenbergbau, Steinbrüche als auch  Kies-, Sand- und Zementwerke gehören.

Ein Interessantes Tätigkeitsfeld existiert nicht nur in Deutschland sondern weltweit. Die großen Bergwerke findet man heute im außereuropäischen Ausland. Ob es Kupferbergbau in Chile, Goldbergbau in Südafrika, oder Diamantenbergbau in Australien ist - überall sind Bergingenieure anzutreffen.. denn Rohstoffe werden weltweit immer mehr gebraucht.

Neben deutschen oder Internationalen Bergbauunternehmen und seiner Zuliefererindustrie sind viele Aufgaben im Bereich von Aufsichts-, Gutachter- und Beratungstätigkeiten sowohl bei Behörden als auch in Ingenieurbüros zu sehen.Immer mehr Bergbauingenieure sind auch im Spezialtiefbau, z.B. im weltweit stark zunehmenden Tunnelbau, als auch in der internationalen Erdölindustrie zu finden. 

Einige Absolventen entscheiden sich nach dem Studium aber auch für eine bergbaufremde Tätigkeit als "Consultants" in Wirtschaftberatungsunternehmen, als "Mining Analysts" in Banken und Versicherungen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Nun seid Ihr gefragt...

Ich hoffe dieser kurze Einblick hat Euch eine ganz andere Seite des Bergbauingenieurs gezeigt, und motiviert Euch vielleicht auch über das Bergbaustudium nachzudenken. Wenn euch die wunderschöne Stadt Aachen mit seinen vielen Kneipen nicht reizt oder zu weit weg ist -  Bergbau kann man neben der RWTH Aachen auch an der TU Clausthal oder der TU Bergakademie Freiberg studieren.

Glückauf aus der Kaiserstadt Aachen

Reik